Circuit-News

Lange Zeit des Stillstands ist vorbei

02.08.2018 Kategorie: Hockenheimring
  • Expertenteam bringt Pirelli-Uhr über der Sachskurve pünktlich zur Formel 1 wieder in Gang
  • Initiative von BMC-Präsident Jörg Bensemann erfolgreich

Die weltbekannte Pirelli Uhr, die über der Sachstribüne thront, galt es nach mehrjährigem Stillstand und mehreren erfolglosen Reparaturversuchen wieder zum "Leben zu erwecken".

Initiator war hierbei Jörg Bensemann, Präsident des BMC , der seinem Bekannten  Tino Pieth, ein Uhrmacher aus Linkenheim, die Idee vorgab, diese grandiose Uhr anlässlich zum Termin der Formel 1 -2018  wieder die genaue Uhrzeit über dem Hockenheimring anzeigen zu lassen.  Pieth wiederum suchte den Kontakt zu seinem ehemaligen Ausbilder , Uhrmachermeister Ralph Trenkle, um mit ihm als Leiter dieses Projekt  gemeinsam anzugehen.

Als Uhrmacher hat man nicht mit solchen Dimensionen an Uhren zu tun, aber solch ein Projekt stellte sich als eine neue Herausforderung in Technik, Durchführung und Logistik dar, und somit wurde der Auftrag angenommen.

Die Uhr aus den 70gern  besteht aus einem eigenständigen Zeigergetriebe und einem dauerlaufendem Elektro-mechanischen Motor. Für uns war schnell klar, dass wir diese alte, inzwischen verschlissene Mechanik nicht mehr so aktivieren werden und statt dessen auf moderne Funkuhr Technik setzen, d.h. sekundengenaue Steuerung und automatische Sommer-Winterzeit Umstellung. Hierzu wurde ein entsprechendes Modul so modifiziert, dass es mit Anbindung von elektronischer Steuer und Schutzschaltung mit dem Zeigergetriebe oben um "SachsTurm" kombiniert werden konnte; das Zeigergetriebe selbst erhielt eine komplette Reinigung und Revision und wurde mit hochwertigsten Schmierstoffen wieder versorgt.

Nach einem 10 tägigen Testlauf in unserer Werkstatt , wo alle möglichen Ausfälle und Störungen simuliert wurden, gingen wir das Projekt Einbau in Hockenheim auf dem Sachsturm am  Samstag 23.6.18 an. Zuerst mussten noch die großen Zeiger sehr genau ausbalanciert werden, also ein Gegengewicht zum Verhältnis der Zeigerlänge am Ende Dessen eingeschweist werden. Dann wurde alles nochmals zum Probelauf auf einen Stapler montiert, um auch den Gleichlauf der Zeiger ( die gesamt  über 30 Kg wiegen) zu kontrollieren.

Jetzt kam der wohl schwierigste Teil ; das  40 kg schwere , inzwischen mit reichlich Elektronik ausgestattete Getriebe musste wieder hoch in den "Turm" ; danach mussten die Zeiger  mit Seilen nach oben gezogen werden, der Einbau des Werkes in das Turmgehäuse und anschliessend die präzise Zeigermontage  ; das Ganze in über 20 m Höhe, auf einer Plattform , welche gerademal so für 2 Personen Platz hatte.

Dieter Behling, der sich der gesamten Steuerung und Elektrischen Anbindung annahm, legte zum Schluss die Verkabelung bis zur Steuerung an der Schaltzentrale unterhalb des Tribünendaches, sodass eine notwendige Korrektur zukünftig von unten aus gemacht werden kann.

Nach 5 Stunden war ES geschafft; der Einbau mit neuer Verkabelung und Sicherheitsschaltung im Tribünenbereich, Justierung der Zeiger zum DCF 77 Zeitsignal und anschliessendem Probelauf - so konnten wir abends um 18:25 dieses Projekt als erfolgreich abgeschlossen sehen.

Einen großen Dank geht an das gesamte Team von Uhrmachermeister Ralph Trenkle (www.zeigerwerke.de), Tino Pieth - Uhrmacher und "schwindelfreier Monteur" , und Dieter Behling, der für die Elektrik, Schnittstellenanbindung und Steuerung zuständig war.

Geplant ist zukünftig eine jährliche Kontrolle der gesamten Mechanik und Elektronik vor Ort, damit noch jahrelang diese grandiose Uhr hoch über der Sachstribüne ihren genauen "Zeitdienst" verrichten wird.