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Vom Waldweg zur Grand-Prix-Strecke - Der Hockenheimring ist 85

29.05.2017 Kategorie: Hockenheimring

Der Hockenheimring mit seiner 85-jährigen Geschichte: über acht Jahrzehnte Triumphe, Tränen und begeisterte Fans. Er steht nicht nur seit Jahrzehnten für Rennsport-Highlights wie die Formel 1 in Deutschland, sondern hat die badische 20.000-Einwohner-Stadt weltberühmt  gemacht. Von einem Kurs über unbefestigte Waldwege Anfang der 1930er-Jahre hat sich der Hockenheimring inzwischen zum modernen und unverwechselbaren Motodrom gewandelt, in dem viele Motorsportlegenden wie Jim Clark,  Jochen Rindt, Ayrton Senna, Wilhelm Herz, Giacomo Agostini, Dieter Braun, Anton Mang – und natürlich auch Michael Schumacher – einige ihrer größten Triumphe feierten.

Ernst Christ verdanken die Hockenheimer „ihren“ Ring: Er war es, der seiner Heimatstadt Anfang der 1930er Pläne für eine Rennstrecke vorlegte und u. a. den damaligen Bürgermeister Philipp Klein für das Projekt gewann. Zwei Jahre nach der ursprünglichen Idee war es dann so weit: Nach gerade einmal zweimonatiger  Bauzeit  donnerten am 29. Mai 1932 die Zweiräder beim „1. Motorradrennen“ über die teils unbefestigte Waldstrecke und die  Zuschauer standen beim Start nur wenige Meter neben den dröhnenden Motoren.

Im Jahre 1938 änderte sich die Streckenführung des Hockenheimer Kurses grundlegend. Durch den Einbau der Ostkurve erhielt der Hockenheimring seine bekannte ovale Form und wurde in Verbindung mit der Streckenverbreiterung zu einem Hochgeschwindigkeitskurs. In puncto Sicherheit galt der neue „Kurpfalzring“ für seine Zeit als besonders vorbildlich.

Nach Kriegsende war es fraglich, ob es überhaupt wieder Motorsport auf dem Ring geben würde. Der Zustand der Renn strecke war katastrophal und auch der deutsche Motorsport war schwer angeschlagen. Nach intensiven Wiederaufbauarbeiten sowie der Gründung des Badischen Motorsport Clubs und der Hockenheim-Ring GmbH zur betriebswirtschaftlichen Nutzung der Rennstrecke donnerten 1947 erneut die Motoren über die Strecke. 1957 war Hockenheim erstmals mit der Durchführung des Großen Preises von Deutschland für Motorräder beauftragt worden.

Wenige Jahre später war es wieder Ernst Christ, der die Ringplanung vorantrieb und die Rennstrecke, wie wir sie zum Großteil heute noch kennen, mitgestaltete: Anlässlich der Neuplanung der Auto-bahn Mannheim–Walldorf erarbeitete er 1961 das zuschauer-freundliche Motodrom-Konzept. Beim ersten Rennen nach dem Umbau 1964/65 standen erneut die Zweiräder im Vordergrund: Der Große Preis von Deutschland für Motorräder, der bis einschließlich 1994 regelmäßig in Hockenheim stattfand, markierte am 22. Mai 1966 den Startschuss einer neuen Ära.

Seit 1970 ist auch die prestigeträchtigste Rennserie der Welt auf dem Ring zu Gast: Über 120.000 Zuschauer erlebten das erste  Formel-1-Rennen live an der Strecke. Der erste Grand-Prix-Sieger auf dem Hockenheimring war der Österreicher Jochen Rindt auf einem Lotus, der sich gegen Jacky Ickx im Ferrari durchgesetzt  hatte. Dieses Duell begeisterte die Fans. Die Zeitschrift auto, motor und sport schrieb damals: „Was hier geboten wurde, war Grand-Prix-Sport in höchster Vollendung (…). Die Charakteristik der  Hockenheimring-Arena bringt es mit sich, daß Mann gegen Mann, Rad gegen Rad gekämpft wird. Die Piste liegt den Zu schauern wie eine Slot-Racingbahn zu Füßen.“ Nur wenige Wochen später in Monza verunglückte Jochen Rindt tödlich, wurde aber aufgrund seines überragenden Punktevorsprungs als bisher einziger Fahrer in der Geschichte posthum Weltmeister.

Besonders beliebt war der Hockenheimring bei einer der größten Formel-1-Legenden aller Zeiten: Ayrton Senna feierte drei Siege auf dem Hockenheimer Asphalt, ebenso wie sein brasilianischer Landsmann Nelson Piquet.

1995 schlug die Stunde des siebenfachen Weltmeisters Michael Schumacher: Als erster Deutscher konnte er seinen Heim-Grand-Prix gewinnen. Der Kerpener sorgte mit seinem Einstieg in die  Formel 1 seit 1991 für ausverkaufte Rennen auf dem Hockenheimring. Viermal konnte sich Michael Schumacher zwischen 1992 und 2006 in die Siegerliste in Hockenheim eintragen.

Im Jahre 2002 wurde die Länge der Hochgeschwindigkeitsstrecke von 6,8 auf 4,6 Kilometer gekürzt und eine vergrößerte Südtribüne mit eleganten Lounges, die Mercedes-Tribüne sowie das den Ring überragende Baden-Württemberg Center gebaut. Durch eine  enge Kurvenkombination wurden neue Überholmöglichkeiten für die Formel 1 geschaffen. Im Frühjahr 2004 wurde zusätzlich auf rund elf Hektar Fläche inmitten der Rennstrecke das ADAC  Fahrsicherheits-Zentrum Hockenheimring eröffnet.

Neben der Formel 1 bieten bereits seit über 30 Jahren die DTM, bei der die schnellsten modifizierten Serienfahrzeuge an den Start gehen, sowie das Drag-Racing-Event NitrOlympX, bei dem die imposanten Dragster-Boliden die vorgegebene Viertelmeile in gerade einmal knapp fünf Sekunden zurücklegen, Premium-Motorsport in Hockenheim. Aber auch Open-Air-Konzerte und Festivals mit Topacts wie Robbie Williams, AC/DC, den Rolling Stones, Genesis, Pink Floyd, Metallica, Linkin Park, den Böhsen  Onkelz und DJ Hardwell finden regelmäßig am Hockenheimring statt, seit der King of Pop, Michael Jackson, 1988 mit seiner umjubelten Show vor 70.000 Besuchern den Anfang im Motodrom machte.

Übrigens: 2015 wurde erneut Geschichte am Hockenheimring  geschrieben: Rund 450.000 Musikfans wurden bei insgesamt sechs Open-Air-Konzerten gezählt. Und auch die Saison 2016 hielt ein neues Kapitel Historie bereit: So gastierte die Königsklasse des  Motorsports zum bereits 35. Mal auf dem Hockenheimring, einem der letzten Traditionskurse im Formel-1-Kalender.