Circuit-News

Traumfinale der SUPERBIKE*IDM auf dem Hockenheimring

28.09.2015 Kategorie: Superbike*IDM
Copyright SUPERBIKE*IDM
Copyright SUPERBIKE*IDM

Die SUPERBIKE*IDM 2015 geht mit einem fantastischen Wochenende auf dem Hockenheimring zu Ende. 14.000 Zuschauer kamen an die Traditions-Rennstrecke, um bei sonnigem Wetter den Kampf der Piloten um die letzten Punkte in der internationalen deutschen Meisterschaft mitzuerleben. Der Franzose Mathieu Gines und Local Hero Jan Bühn sicherten sich die Titel in den Klassen Superstock 1000 respektive Supersport 600.

Markus Reiterberger und Xavi Forés teilen sich Superbike-Finalsiege
Markus Reiterberger (Van Zon-Remeha-BMW) setzte sich am Samstag in der Superpole durch und durfte so vom besten Startplatz ins Rennen gehen. Den Start gewann dann jedoch Dauerrivale Xavi Forés (3C-Racing Team), der sich prompt an die Spitze setzte. Sein Teamkollege Lorenzo Lanzi konnte aufgrund seines Sturzes im Qualifying, von dem er eine Gehirnerschütterung davongetragen hatte, nicht im Renngeschehen mitmischen und fieberte nun von der Box aus mit Forés mit. Das Spitzentrio vervollständigte Max Neukirchner (Team Yamaha MGM), gefolgt von Teamkollege Damian Cudlin. Für den Australier war das Rennen allerdings in der dritten Runde nach einem Sturz gelaufen. Wenig später übernahm Reiterberger wieder die Führung. Forés wollte unbedingt zurück an die Spitze und witterte in der zehnten Runde eine minimale Chance, in der Sachskurve an Reiterberger vorbeizugehen. Das Manöver misslang allerdings gründlich. Wenn zwei sich streiten, freut sich Max Neukirchner. Der Sachse lag auf der Lauer und schlüpfte innen durch – eine tolle Show für vor das volle Haus im Motodrom. Neukirchner gab ein großes Comeback nach seiner langen Verletzungspause und war nun auf Siegeskurs. Doch nur kurz. Reiterberger ging vier Runden später wieder am Yamaha-Piloten vorbei und auch Forés erkämpfte sich die zweite Position zurück. Reiterberger siegte vor Forés und Neukirchner.
Für Markus Reiterberger gab es bei der Startaufstellung des zweiten Rennens ein Ständchen seines Fanclubs mitsamt Akkordeon. Dann starteten die Piloten beflügelt von den bayerischen Klängen ins letzte Rennen der Saison. Reiterberger gewann den Start vor Forés, Neukirchner und Cudlin. Doch der Australier hatte erneut kein Glück und rollte schon in der zweiten Runde an die Box. Neukirchner attackierte Forés im Kampf um die zweite Position. Doch der Spanier behauptete seinen Platz vehement. In der achten Runde zog Forés an Reiterberger vorbei. Währenddessen verlor Neukirchner nach und nach den Anschluss an das Spitzenduo. Forés kämpfte bis zum Schluss und brachte seinen dritten Saisonsieg vor Reiterberger und Neukirchner heim.
Markus Reiterberger: „Ich hatte im ersten Rennen Probleme mit dem Grip. Aber je länger wir unterwegs waren, desto besser wurde es komischerweise. Im zweiten Rennen habe ich dann nochmal alles gegeben – vor allem für die Markenwertung, die noch ausstand. Es hat nicht mehr für den zweiten Sieg gereicht. Aber hey, 12 von 16 Rennen gewonnen – so gut war ich zuletzt im Mini Bike Cup. Bei dem Fahrerniveau, das wir hier haben, bin ich wirklich richtig stolz auf diesen Meistertitel.“
Xavi Forés: „Es waren zwei schöne Rennen für mich. Im ersten Lauf machte ich einen großen Fehler, als ich versuchte Markus in der Sachskurve zu überholen und dann auch noch Max an mir vorbeiging. Es war hart, den zweiten Platz zurückzuerobern. Das zweite Rennen war dann das beste der ganzen Saison. Das Jahr war so schwierig, aber wir haben es gut zu Ende gebracht.“
Max Neukirchner: „Im ersten Rennen dachte ich, ich könnte mich vorne absetzen. Aber Reiti zog auf der Gegengeraden wieder an mir vorbei. Ich bekam am Schluss leichte Probleme an der Kurvenausfahrt. Aber zwei Podiumsplätze sind ein super Abschluss für das ganze Team.“

Mathieu Gines holt mit Doppelsieg den Superstock 1000-Titel
Mit dem fünften Startplatz im Gesamtfeld hatte Mathieu Gines (Langenscheidt Racing by Fast Bike Service) die beste Ausgangssituation für einen Sieg in der Superstock 1000-Klasse. Rivale Roman Stamm (Kawasaki Schnock Team Motorex), der als einziger noch die Chance hatte, Gines den Titel streitig zu machen, startete von Platz sieben. Bald konnte Stamm den Gaststarter Marc Moser hinter sich lassen und zu Gines aufschließen. Marvin Fritz (Bayer-Bikerbox Racing), der von der zwölften Position ins Rennen ging, war erst einmal beschäftigt, sich nach vorne zu kämpfen. In der zwölften Runde packte er schließlich die Gelegenheit und ging nun auch an Stamm vorbei. Für Stamm schwanden damit die letzten Hoffnungen, Gines noch einzuholen und die Chancen auf den Titel zu wahren. Der Franzose machte sich aus dem Staub und fuhr überlegen zu seinem achten Saisonsieg und damit dem Titel. Für Stamm, Vizemeister in der Klasse Supersport 600 des Vorjahres, war mit dem dritten Platz hinter Fritz erneut nur der Vizetitel drin.
Im zweiten Rennen musste nun noch der Drittplatzierte der Meisterschaft entschieden werden. Lukas Trautmann (Freudenberg Racing Team) hatte an diesem Wochenende zu kämpfen und ging von Startposition 19 ins Rennen. Im ersten Lauf kam er als elfter insgesamt und als sechster in der Stockwertung ins Ziel. Der Vorsprung auf Verfolger Marvin Fritz betrug jetzt nur noch zehn Punkte. Gines legte erneut mit einem starken Start vor. Stamm hatte nach dem verlorenen Meistertitel weiterhin kein Glück und stürzte in der ersten Runde. Die zweite Position der Stockwertung krallte sich Ondrej Jezek vor Marvin Fritz und Lukas Trautmann. In der zwölften Runde setzte sich Fritz gegen Jezek durch. Mit einer souveränen Leistung fuhr Mathieu Gines zum Doppelsieg. Zweiter wurde Fritz vor Jezek und Trautmann. Für die Meisterschaft bedeutete dies den dritten Platz für Lukas Trautmann.
Mathieu Gines: „Das ist einfach perfekt. Ich bin in die SUPERBIKE*IDM gekommen, um die Strecken kennenzulernen und vielleicht unter die besten fünf zu fahren. Und jetzt stehe ich hier als Sieger. Das ist so unglaublich. Mir fehlen die Worte. Es hat sehr viel Spaß gemacht, mit Roman zu fighten. Ich will nächstes Jahr hier weiterfahren, am liebsten mit Yamaha in der Superbike-Klasse. Mein Team ist für mich mittlerweile wie eine Familie, aber es ist noch nicht entschieden, ob sie weitermachen.“
Roman Stamm: „Es war klar, dass es in der Meisterschaft knapp wird. Bis zur Hälfte des ersten Rennens hat noch das gute Gefühl überwogen. Dann hat der Reifen nicht mehr mitgemacht. Ich bin wieder einmal Zweiter. Aber Mathieu ist der verdiente Sieger und ich konnte ihn selten schlagen.“
Marvin Fritz: „Auch wenn es in der Meisterschaft nicht mehr für den dritten Platz gereicht hat, war das ein super Saisonabschluss. Mein Plan ist, nächstes Jahr Superbike zu fahren. Ich hoffe, dass alles klappt.“

Jan Bühn ist deutscher Supersport 600-Meister
Vielleicht war es sein Fanclub, vielleicht das gute Zureden seines Team, oder einfach die Tatsache, dass am Sonntag alles zusammengepasst hat. Im zweiten Rennen der Klasse Supersport 600 verdrängte Jan Bühn (Team Räth-Romero-Yamaha)  zum ersten Mal in dieser Saison seinen Kontrahenten Tatu Lauslehto (Team Suzuki Stoneline-Mayer) vom ersten Platz der Gesamtwertung. Der Local Hero sicherte sich mit Punktegleichstand, der gleichen Anzahl an Siegen, aber mehr zweiten Plätzen als Lauslehto über die Saison hinweg den deutschen Meistertitel 2015. Dementsprechend glücklich war Bühn, der nach dem Rennen von einer Horde Fans empfangen, umarmt und bejubelt wurde. Das Rennen selbst war für den Kronauer erneut eine Zitterpartie. Konnte er zunächst noch mit Gaststarter Kevin Wahr, der das Feld anführte, mithalten, büßte er im Laufe des Rennens Geschwindigkeit ein. Vier Runden vor Schluss zog schließlich Marco Nekvasil (LSG Racing) an Bühn vorbei. Lauslehto lag an sechster Position. In den letzten Runden gingen auch Bryan Schouten und Dominic Schmitter (beide Gaststarter) an Bühn vorbei. Bühn lag nun an vierter Position direkt vor Lauslehto. Doch der Abstand des Finnen war mit ca. sechs Sekunden zu groß, als dass er noch an Bühn herankommen und den Meistertitel retten konnte. Wahr gewann erneut souverän vor Nekvasil, Schouten und Schmitter. Jan Bühn belegte vor Tatu Lauslehto den fünften Platz und entschied damit die Meisterschaft äußerst knapp für sich.
Jan Bühn: „Ich kann es noch gar nicht glauben. Das gibt’s einfach nicht, dass es noch gereicht hat. So knapp! Ich wollte Kevin hinterher und auf keinen Fall in die Gruppe hinter mir geraten. Aber es hat geklappt, das Rennen sicher heimzufahren. So ein Wahnsinn!“
Kevin Wahr: „Heute musste ich mich richtig anstrengen. Es war ein schönes Wochenende, haufenweise Gäste sind hier, eine tolle Atmosphäre. Nächstes Jahr will ich mindestens am Hockenheimring wieder dabei sein, evtl. auch bei mehr Rennen. Ich könnte mir sogar vorstellen, wieder in der SUPERBIKE*IDM zu fahren. Natürlich will ich in der WM bleiben. Aber ich bin da offen. Hier ist Qualität am Start. Die SUPERBIKE*IDM wird oft unterschätzt.“

Ralf Waldmann siegt zum ersten Mal im letzten SuperNaked-Rennen
Es hat doch noch geklappt: Ralf Waldmann (Triple M by Barni / Ducati Frankfurt) steigerte sich seit seinem ersten SuperNaked-Start kontinuierlich. Erst Dritter, dann Zweiter – und jetzt krönte der Routinier die Saison mit dem ersten Platz. Kjel Karthin (Team KARTHIN MSB Suzuki) erwischte im zweiten Rennen auf dem Hockenheimring keinen guten Start, rutschte anfangs ziemlich und verlor den Anschluss. Waldmann legte sich unterdessen mit einigen Supersport 600-Piloten an. Am Ende gewann er überlegen vor Kjel Karthin. „Ich bin stolz auf dieses Ergebnis. Schließlich war ich dieses Jahr nie trainieren und bin direkt in die Rennen eingestiegen. Vielleicht wird es nächstes Jahr wieder was“, sagte Waldmann nach seinem SuperNaked-Sieg. Gefeiert wurde auf dem Hockenheimring aber auch Kjel Karthin, der seinen Titelgewinn auf dem Hockenheimring mit einem ersten und einem zweiten Platz veredelte.

Matthias Meggle macht den Moto3 Standard-Vizemeistertitel fix
Matthias Meggle (Freudenberg Racing Team) hatte mit der Pole-Position beste Voraussetzungen geschaffen, um sich beim Finale auf dem Hockenheimring den Vizemeistertitel in der Klasse Moto3 Standard zu sichern. Er startete zudem mit einem Vorsprung von 16 Punkten in der Meisterschaft ins Rennen. Dennoch – es bestand die Chance, dass Philipp Freitag (F. Koch Rennsport & Hannes Allwardt) ihm den zweiten Gesamtrang noch abspenstig machte. Die Folge war ein unerbittlicher Zweikampf zwischen den beiden. Und nicht zum ersten Mal. Immer wieder zeigten Meggle und Freitag während der Saison ihre Ebenbürtigkeit. Auch beim Finale überholten sich die Youngster unzählige Male gegenseitig. „Wir haben nicht mitgezählt“, sagten sie später. Am Ende war es Meggle, der zuerst die Ziellinie überquerte und damit als Vizemeister in der Klasse Moto3 Standard feststand. Auf den dritten Platz fuhr Sven Grevink, der damit sein bestes Saisonergebnis erzielte. Am Rennen nicht teilnehmen konnte Meggles Teamkollege Tim Georgi, der sich bei einem Sturz im Training starke Prellungen zuzog, den Meistertitel aber bereits in Oschersleben fix machte. „Ich wusste, dass ich nur durchkommen musste, um den Vizemeistertitel sicher zu haben. Aber ich wollte trotzdem gewinnen und freue mich jetzt riesig“, sagte Meggle. Freitag war dagegen enttäuscht. „Es war wirklich eine coole Saison, aber es fehlt einfach der Sieg. Vielleicht habe ich manchmal zu wenig riskiert. Das Niveau hier ist sehr hoch. Ich hoffe, dass nächstes Jahr mehr Starter von der Sorte kommen.“

Gürck/Wechselberger krönen den Sidecar-Meisterschaftsgewinn
Spektakulär. Das ist und bleibt das beste Wort, um zu beschreiben, was in der Klasse Sidecar passiert. Die Teams hatten sich während der ganzen Saison gemessen und alles für den Sieg gegeben. Beim Finale auf dem Hockenheimring waren es erneut vier Teams, die um die Spitze kämpften. Als Pole-Setter führten Andre Kretzer und Jens Lehnertz (MSC Freier Grund e.V. im ADAC) das Feld in die erste Runde. Hinter ihnen lagen drei weitere Top-Teams auf der Lauer: Vorjahreschampion Josef Sattler mit Beifahrer Uwe Neubert (Sattler Motorsport), Uwe Gürck und Manfred Wechselberger (Polizeisportverein Wels Gürck Racing) sowie Mike Roscher und Anna Burkard (RSC Roscher/Burkard). In dritten Runde attackierten Gürck/Wechselberger ihren Rivalen Sattler/Neubert in der Sachskurve, konnten aber nicht vorbeigehen. Das Manöver gelang aber schon eine Runde später an gleicher Stelle. Sattler/Neubert lagen nun an der dritten Position und hatten Roscher/Burkard am Heck kleben. Und genau dieses Duell war entscheidend für den Vizemeistertitel. Denn Gürck/Wechselberger standen bereits als Meister fest. Zwischen Sattler/Neubert und Roscher/Burkard lag hingegen nur ein halber Punkt Differenz. Kretzer/Lehnertz konnten ihre Spitzenposition nicht lange halten. Nachdem zunächst Gürck/Wechselberger vorbeigingen, taten es ihnen später Sattler/Neubert gleich. In der achten Runde ging der Vorjahreschampion sogar erneut in Führung, während Roscher/Burkard weiterhin an der vierten Position lagen. Drei Runden vor Schluss kämpften sich Gürck/Wechselberger wieder an die Spitze und ließen Sattler/Neubert keine Chance mehr auf den Sieg. Das Rennen endete wie die Meisterschaft: Es siegte Gürck/Wechselberger vor Sattler/Neubert, Roscher/Burkard und Kretzer/Lehnertz. „Für uns war es ein krönender Abschluss mit harten, aber fairen Kämpfen“, sagte Uwe Gürck. „Das war ein geiles Rennen“, ergänzte Josef Sattler. „Wir wollten eigentlich nur vor Mike und Anna ins Ziel kommen. Aber der Rennverlauf war so klasse, dass wir dann doch um den Sieg gefahren sind.“ Roscher/Burkard waren enttäuscht über den verlorenen Vizemeistertitel. „Natürlich haben wir jetzt ein weinendes Auge. Aber es war ein gutes Rennen und hat Spaß gemacht.“