Das Motodrom: Die Arena unter den Rennstrecken feiert 50. Geburtstag

Der heutige Hockenheimring Baden-Württemberg hat seit seiner Eröffnung im Jahr 1932 einige umfangreiche Umbauphasen erlebt. Stets darauf bedacht, den Kurs so sicher und attraktiv wie möglich zu halten, nahmen die Verantwortlichen über die Jahre immer wieder Anpassungen an Strecke, Gelände und Tribünen vor. Doch keine Modifikation war so prägend und charaktergebend für die Rennstrecke wie der Bau des Motodroms 1964/65. Bis heute ist es das unverwechselbare Gesicht des Hockenheimrings, eine einmalige, stadionartige Arena für Motorsportbegeisterte, ein „Wohnzimmer“ für Fahrer und Teams, ein „Hexenkessel“ für Großevents.

Gründe für die Neukonzeptionierung des alten Hockenheimrings Anfang der 1960er-Jahre gab es genug: So erkannte Wilhelm Herz, der damalige Präsident des Badischen Motorsport Clubs, bereits nach der ersten Motorradweltmeisterschaft im Jahr 1957, dass der unmittelbare Kontakt des Rings, der 7,725 km lang war und unmittelbar in die Stadt Hockenheim ragte, mit Wohnhäusern keine Dauerlösung sein konnte. Außerdem gab es konkrete Pläne, das hohe Verkehrsaufkommen auf der Autobahn Mannheim-Heidelberg durch eine Eckverbindung Mannheim-Walldorf zu entlasten. Die neue Trasse würde den Hockenheimring durchqueren. Somit war eine Veränderung der alten Streckenführung unumgänglich.

Der Hockenheimer Ernst Christ, der Anfang der 1930er-Jahre die Initiative zum Bau der Rennstrecke in seiner Heimatstadt ergriffen hatte, erarbeitete 1961 eine „Motodrom“-Konzeption, die den Ansprüchen von Fahrern, Zuschauern und Veranstaltern gleichermaßen Rechnung trug. Arenenartige Vorbilder in den USA standen Pate. Das Konzept bot Platz für mehr als 100.000 Zuschauer; und alle notwendigen Einrichtungen (unter anderem Start und Ziel, Boxen, Fahrerlager, Tankstelle) konnten darin untergebracht werden, genauso wie Streckenteile (2.000 Meter), die durch die Kürzung des alten Ringes in Richtung Stadt wegfielen. Die Zuschauer sollten die Rennen von riesigen Tribünen mit optimalen Sichtverhältnissen aus verfolgen können.

Dr. Kurt Buchter, Bürgermeister der Stadt Hockenheim von 1958 bis 1978, führte die recht schwierigen und zähen Verhandlungen mit dem Bund, dem Land Baden-Württemberg, der Kraftfahrzeugindustrie und der Markenartikelbrache und erreichte schließlich eine zufriedenstellende Lösung der Baufinanzierung ohne Einsatz städtischer Mittel, unter anderem durch Schadenersatzforderungen gegen die Autobahnbauer, Spenden und Werbeverträge. Mehr als die Hälfte der anfallenden Baukosten in Millionenhöhe wurden von der Hockenheim-Ring GmbH getragen.

Anfang 1964 konnte mit den umfangreichen Bauarbeiten begonnen werden. Riesige amerikanische Baumaschinen verwandelten 900.000 Kubikmeter Waldboden in ein gigantisches Dammsystem, aus dem die Tribünen entstehen sollten. Nach knapp zehn Wochen war die eigentliche Dammaufschüttung bereits beendet. Als Nächstes wurden die Straßenneubauten im Motodrom und in der Ostkurve in Angriff genommen. Inzwischen waren auch die Hochbau- und Kanalisationsarbeiten angelaufen und im Frühjahr 1965 kennzeichnete eine Vielzahl von Kränen die Standorte der verschiedenen Bauobjekte wie Ernst-Wilhelm-Sachs-Haus, Conti-Boxenanlage, Continental-Turmhaus und Dunlop-Turm. Die Anlage zeigte nach und nach ihr endgültiges Profil.

Insgesamt 140.000 Zuschauer bildeten dann am 22. Mai 1966 den glanzvollen Rahmen für eines der eindrucksvollsten Feste, das der deutsche Motorsport je erlebt hat - das gewaltige Motodrom wurde mit dem Großen Preis von Deutschland für Motorräder eingeweiht.

Mit den Worten des damaligen Bundesverkehrsministers Dr. Hans-Christoph Seebohm: „Hiermit gebe ich das neue Hockenheimer Motodrom für den ersten Start frei und erkläre die Anlage als offiziell eröffnet“, begann ein neues Kapitel Hockenheimer Renngeschichte. Mit dem Bau des Motodroms waren alle Voraussetzungen geschaffen worden, um den Hockenheimring verstärkt auch dem Automobilsport zugänglich zu machen. Streckenbreite und Sicherheitsmaßnahmen galten als optimal - bis zum 7. April 1968, als der zweimalige, schottische Formel-1-Weltmeister Jim Clark bei einem Formel-2-Rennen tödlich verunglückte. Dieser tragische Unfall führte zu umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen an der Strecke. Es wurden zahlreiche Bäume gefällt und die Sicherheitsstreifen dadurch von zwei auf acht Meter verbreitert. Fortan galt der Hockenheimring als eine der sichersten Rennstrecken der Welt.

Auch in den darauffolgenden Jahrzehnten befand sich der Traditionskurs stets im Wandel: Mit der Kürzung der alten Waldgeraden, dem Bau des Baden-Württemberg Centers und der Mercedes-Tribüne sowie dem Umbau der Südtribüne wurde die Rennstrecke 2001/2002 fit für die Zukunft gemacht.

50 Jahre Motodrom - das sind 50 Jahre Bewegung, Veränderung und große Momente. In unserer Bildergalerie möchten wir Ihnen mit einigen ausgewählten, atmosphärischen Bildern einen kompakten Eindruck über die fünf bewegten Jahrzehnte der Motorsportarena vermitteln.